Erster Schultag mit Mundschutz

Auch die Abschlussklassen am Freiherr-vom-Stein-Berufskolleg mussten am 24.04.2020 wieder zur Schule. Die verhältnismäßig hohe Zahl an Schülern bringt die Schule wegen der Corona-Regeln an ihre Grenzen.


Auch am Freiherr-vom-Stein-Berufskolleg hat am Donnerstag der Unterricht für die Abschlussklassen wieder begonnen. Das hat die berufsbildende Schule, die an ihren zwei Standorten in Minden und Bad Oeynhausen insgesamt rund 2.200 Schülerinnen und Schüler unterrichtet, vor große Herausforderungen gestellt.

„Wir haben Unterrichtspflicht für die Abschlussklassen, lediglich für die Abiturienten des Wirtschaftsgymnasiums am Standort Minden ist der Besuch freiwillig“, sagt der stellvertretende Leiter des Berufskollegs, Oliver Dunst. „Unsere Abschlussklassen bilden zusammen etwa 40 Prozent der Gesamtschülerzahl“, sagt Fritz Möhlmann, der Leiter des Standorts Bad Oeynhausen. Diese Tatsache bringe das Kollegium bereits jetzt schon an räumliche und personelle Grenzen. Von den insgesamt 100 Lehrern, von denen viele an beiden Standorten unterrichten, gehören etwa 30 einer Risikogruppe an und können nicht unterrichten.
In den vergangenen Tagen wurden die Unterrichtsräume so weit hergerichtet, dass Unterricht in kleinen Gruppen unter der vorgeschriebenen Abstandsregel möglich ist.

 

Statt der 30 Schülerinnen und Schüler in manchen Klassen finden in den Räumen nun maximal 12 Schüler Platz. In Bad Oeynhausen sind 200 Schülerinnen und Schüler in den Abschlussklassen, aber nicht alle können zur Schule kommen. „Viele gehören entweder selbst zu einer Risikogruppe oder haben einen nahen Angehörigen in einer solchen“, ergänzt Möhlmann.
Für kleinere Klassen fehlt schlicht das Fachpersonal.

 

An etlichen Stellen im Gebäude am Schulzentrum Süd sind Infoblätter mit den Corona-Regeln ausgehängt. Und das Kollegium hat diese Regeln noch um einige ergänzt – wie etwa die Handreinigung vor dem jeden Eintritt in einen Raum und beim Verlassen. „Die Schüler müssen sich aber erst an diese Regeln gewöhnen“, haben die Lehrer Olaf Nennker und Andrea Friebel festgestellt. Gemeinsam mit weiteren Kollegen hat Nennker am Donnerstagmorgen am Schuleingang eine Art Begrüßungskomitee gestellt. So richtig ins Bewusstsein vieler Schüler seien die seit sechs Wochen geltenden Regeln noch nicht gedrungen, hat er beobachtet. „Die Schüler stehen in Gruppen auf dem Parkplatz, kommen im Pulk in die Schulen, ganz zu schweigen von der Händedesinfektion“, fügt Nennker hinzu. Insofern wird dem Begrüßungskomitee in den nächsten Tagen noch eine besondere Rolle zukommen. Und dies übrigens mit Community-Maske, denn „wir wollen mit gutem Beispiel vorangehen“, sagt Möhlmann.
 

Für ihre Abschlussklassen hat auch das Berufskolleg in Bad Oeynhausen einen Notunterrichtsplan erstellt, um den Unterrichtsausfall vor den Osterferien zu kompensieren und die Schüler auf die am 6. Mai beginnenden Prüfungen vorzubereiten. Das gestaltet sich allerdings vor allem beiden zukünftigen zahnmedizinischen und medizinischen Fachangestellten gar nicht so einfach. Denn allein das prüfungsrelevante Fach „medizinische Assistenz“ habe so eine große Bandbreite, dass es auch im Normalbetrieb nur von Experten unterrichtet wird. „Die Schülerinnen und Schüler müssen ja jedes Krankheitsbild kennen“, nennt Möhlmann ein Beispiel. „Da wir die Klassen aufteilen müssen, fehlt uns schlicht Fachpersonal“. In den vergangenen Wochen seien die Schüler in den „weißen Berufen“ mit Unterlagen per E-Mail gut versorgt worden, aber die ersetze eben keinen adäquaten Schüler-Lehrer-Kontakt.
 

In dem ansonsten in puncto „Digitales Lernen“ bereits gut aufgestellten Berufskolleg steckt das digitale Konzept in den Ausbildungsgängen für die „weißen Berufe“ in Bad Oeynhausen und den Rechtsanwalts- und Notariatsfachangestellten am Standort Minden noch in den Startlöchern. „Die Praxen und Ausbilder müssen mitspielen“, sagt Dunst, „aber da stehen wir noch ganz am Anfang einer sicherlich herausfordernden Diskussion“.


Im kaufmännischen Bereich ist das digitale Lernen sehr gut aufgestellt
Anders sieht es im kompletten kaufmännischen Bereich aus. Bereits 2014 hat das Berufskolleg begonnen, sein digitales Konzept zu erarbeiten. Seit 2016 werden die einzelnen Ausbildungsgänge jahrgangsweise umgestellt. „Wir wären damit im nächsten Jahr fertig“, fügt Fritz Möhlmann hinzu.Aber auch da macht Corona einen Strich durch die Rechnung. Im Februar neu hinzugekommen ist auf Wunsch der Ausbilder der Bereich„Einzelhandel“.„Da werden jetzt 180 Schüler digital unterrichtet“, sagt Oliver Dunst. Das Kollegium sei, so Dunst, bereits mit 100 Prozent bei der digitalen Sache. Soll heißen, alle unterrichten mindestens ein Fach in einer digitalen Klasse.

Allerdings sei digitales Lernen nicht gleich zu setzen mit Homeoffice. Den derzeitigen Unterricht – nun mit Ausnahme der Abschlussklassen – bezeichnet Oliver Dunst denn auch als „digital distance learning“–digitalja,aberebenohne direkten Sichtkontakt zum Lehrer.
Kopfzerbrechen bereitet den Lehrern des Berufskollegs allerdings nicht nur die nahe Zukunft. „Wir wissen ja auch nicht, wie es nach den Sommerferien weitergeht“, sagt Lehrer Frank Wiegmann. Die Lage auf dem Ausbildungsmarkt sei sehr angespannt. „Es gibt viele offene Stellen, viele Suchende“, so Wiegmann. Und die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge hinke der der Vorjahre deutlich hinterher. „Die Jugendlichen, die bis zum Sommer keinen Ausbildungsplatz gefunden haben, melden sich dann wahrscheinlich kurzfristig bei uns in den Vollzeitklassen an“, fügt Dunst hinzu. Also am Wirtschaftsgymnasium, an der Höheren Handelsschule und an der Handelsschule.

Nicole Bliesener

Copyright: Neue Westfalische Bad Oeynhausen, v. 24. April 2020

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