Helfen mit Wattestäbchen: Typisierungsaktion im Freiherr-vom-Stein-Berufskolleg

In der Aula des Freiherr-vom-Stein-Berufskollegs ist an diesem Morgen viel los. Die Handballmannschaft von GWD Minden ist da, genauso wie Landrat Ralf Niermann (SPD). Dazu Hunderte von Schülern, die geduldig auf ihre Typisierung für die Knochenmarkspenderdatei warten. Die kurze Zeit, bis sie dran sind, nehmen alle gern in Kauf. Wann sonst bekommt man die Gelegenheit, ein möglicher Lebensretter zu werden.

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Das finden auch die GWD-Spieler Marian Michalczik und Malte Semisch. Die beiden sind längst typisiert. Der eine privat, der andere bei einer ähnlichen Aktion vor zwei Jahren. „Es ist einfach eine tolle Sache, wenn man mit so wenig einem Menschen helfen kann“, meint Semisch. Blutspenden sei für einen Leistungssportler schwierig – „weil man danach immer geschwächt ist.“ Das ihm die Typisierung trotz möglicher weiterer Untersuchungen sehr wichtig, ist, begründet er so: „Weil hier ein Leben auf dem Spiel steht und wenn wir da helfen können, machen wir das auch.“ Das sieht Michalczik genauso.

Alle für einen, einer für alle – das gilt im Handball, aber auch im wahren Leben. „Ich habe es gerne gemacht“, sagt Michalczik. Angst vor einem Piks oder einer späteren Entnahme habe er nicht gehabt. „Ich habe in meinem Sportlerleben schon die eine oder andere Spritze bekommen, da verliert man die Angst“, berichtet er schmunzelnd.

Tobias Strottmann ist schon einen Schritt weiter. Der Mindener hat vor etwa eineinhalb Jahren Knochenmark gespendet und dadurch einem Mann aus Bayern helfen können. „Ich weiß, dass er um die 50 ist, mehr aber auch nicht“, sagt Strottmann. Als die Rückmeldung kam, es habe einen „Match“, also eine 100 prozentige Übereinstimmung der Gewebemerkmale gegeben, habe er eine Gänsehaut bekommen. „Das war fast unwirklich, ich habe mich aber sofort gefreut, dass ich helfen kann“, erzählt der junge Mann. Dabei war es eigentlich ein Zufall, der Strottmann zur Typisierung brachte. Ein Freund hatte ihm von der Aktion erzählt und gefragt, ob er nicht auch mitkommen wolle. Er, der selbst kein Schüler des Freiherr-vom-Stein-Berufskollegs ist, ging mit und ließ sich typisieren.

Im März 2018 reiste er in eine DKMS-Klinik in Köln. Dort wurden ihm die benötigten Stammzellen entnommen. Wie bei inzwischen 80 Prozent der Spender, erfolgt die Entnahme über das Blut. Vorher habe er ein Medikament schlucken müssen, das die Zahl seiner Stammzellen vergrößert habe, erinnert er sich. „Es war überhaupt nicht schlimm, man war nachher nur ziemlich schlapp.“ Eine Absage wäre für ihn aber ohnehin nie in Frage gekommen.

Einen Kontakt hat er zu dem etwa 50-Jährigen bisher noch nicht aufnehmen können. Denn die Regularien sehen eine Wartezeit vor. Erst wenn die abgelaufen und der Patient gesund ist, können sie sich sehen – wenn beide Seiten das wünschen. Ob er sich das vorstellen könne? „Es gibt sicher eine besondere Beziehung zu diesem Menschen, ich würde ihn gerne einmal kennenlernen“, sagt Strottmann. Ähnlich äußern sich viele Teilnehmer.

Es sei schließlich nicht viel dabei, sagt beispielsweise eine Schülerin. Und wenn es einen „Match“ gibt? „Dann würde ich natürlich auch Stammzellen spenden.“ Sie habe gehört, dass das heute relativ unkompliziert sei. Andrea Rüther (DKMS) bestätigt die Einschätzung, dass die meisten Stammzellen heute über das Blut gewonnen werden – und nicht mehr aus dem Beckenkamm. Im Grunde ähnelt die Stammzellentnahme sogar einer Blutspende, sie dauert nur länger. Zunächst müssen sich die Patienten mehrere Tage lang ein Medikament spritzen. Danach werden die Spender an eine Art Dialysegerät angeschlossen, das Blut aus dem Körper heraus- und wieder hinein pumpt. Aktuell hat die Datei in Deutschland sechs Millionen Einträge.

Dokumenten Information
Copyright © Mindener Tageblatt 2019
© Foto: Michael Grundmeier
Quelle: https://www.mt.de/lokales/minden/22620480_Helfen-mit-Wattestaebchen-Typisierungsaktion-im-Freiherr-vom-Stein-Berufskolleg.html

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